Auf der Kastler Klosterburg ist die Schulvergangenheit noch lebendig - Ein Rundgang
Kastl. In den langen Gängen hallen die Schritte. Hausmeister Christian Krieger nimmt den Schlüsselbund und sperrt die Tür zum Erzieherzimmer auf. Die Vormittagssonne grüßt zum Fenster herein. Auf dem Schreibtisch steht eine ungeöffnete Dose Bier, daneben eine alte Zeitschrift "ADAC-Motorwelt", im Regal eine ungarische Chronik. An der Wand hängen Stundenpläne. Gruppenfotos von lachenden Lehrern erinnern die guten alten Zeiten des Europäisch-Ungarischen Gymnasiums. Auf der Kastler Klosterburg ist es ruhig geworden seit der Schließung der Schule.

Krieger ist jetzt seit fast einem Jahr für den Insolvenzverwalter tätig. Zuvor war er - noch zu Schulzeiten - mit einem anderen Kollegen und einem Helfer viereinhalb Jahre vom Gymnasium angestellt. Es gab immer viel zu tun. Bis zu 300 Schülerinnen und Schüler hatte das Haus in seinen besten Zeiten. Viele kamen aus dem Ausland, die meisten waren im Internat untergebracht.
Das Herz hängt dran
Da war immer viel Leben in den alten Klostermauern. Krieger hat sich nicht viel gekümmert um die Querelen in der Schule. Mitgekriegt aber hat er sie schon. "Am Ende hat man schon gemerkt, dass es in den Graben geht", erinnert er sich. Ein Blick zurück mit Wehmut? "Na ja, mein Herz hängt halt schon a weng dran", gesteht der Kastler.
Geozentrisches Weltbild
Wir gehen weiter durch die Schule. Im ehemaligen Speisesaal sind noch Girlanden in ungarischen Landesfarben aufgehängt, auf der Bühne stehen Lautsprecher. Im Physiksaal ist die Tafel noch nicht gewischt und auch im Religionsraum sieht es so aus, als würde der Unterricht nach der großen Pause gleich wieder weiter gehen. Letzter Unterrichtsstoff: das geozentrische Weltbild. Mit weißer Kreide wurde angeschrieben: "Gott - Kirche (Christus) - Papst als Stellvertreter - alle Kaiser, Könige, Fürsten - alle Untertanen."
Ein Bild vom Papst

Über einen bunt bemalten Aufgang gelangen wir aufs Dachgeschoss des ehemaligen Zehentstadels. Der Raum dient als Stuhllager und Rumpelkammer. "Hier haben wir große Probleme mit den Rauchmeldern, die immer wieder anschlagen", sagt Krieger. Oft wird die Feuerwehr alarmiert, obwohl es nicht brennt.
Im Trakt des Bubeninternats stehen die Türen zu den Zimmern offen. Alte Stockbetten, ramponierte Schränke, veraltetes Mobiliar. Im Betreuerzimmer welkt eine Birkenfeige traurig vor sich hin. Eine Uhr tickt. Sie geht sogar ein paar Minuten vor.
Wir gehen über den weiten Hof, wo die Schweppermannspiele stattfanden. Durch die Bögen in den Arkaden lässt sich ein Blick in die alte Turnhalle erhaschen. Auf der Freisportanlage wächst zwischen Basketballkörben das Unkraut. Die Hecke hat Krieger unlängst geschnitten, damit es wieder was gleich schaut.
Im früheren "Gefängnis" waren die Internats-Mädchen untergebracht. Krieger sperrt auf. Ein stickiger Geruch empfängt uns. Alles ist tiptop aufgeräumt, der Boden im Gang glänzt. Im großen folkloristisch ausgestatteten Gruppenraum hinter dem Fernsehzimmer hängen bunt bemalte Teller, Bilder und Teppiche an den Wänden. Die Tische sind gedeckt, die Stühle fein säuberlich eingereiht, vor den beiden Klavieren stehen Schemel.
Dick verstaubte Bücher

Krieger muss den Satz nicht zu Ende sagen. Beim Anblick der etwas seltsam anmutenden Steinesammlung eines Assistenten der letzten Schulleitung wird irgendwie schon klar, warum das Gymnasium am Ende nicht mehr auf die Beine kam und Insolvenz anmelden musste.
Touristen auf der Burg
Draußen empfängt uns ein klarer Spätsommertag. Drei Touristen sind zu Fuß auf die Klosterburg herauf gekommen, um sich umzuschauen. Ansonsten ist es ruhig. Der wilde Wein am Torbogen beginnt sich bereits zu verfärben. Es wird bald Herbst. Und mit jedem Tag des Jahres schwindet die Hoffnung, dass irgendwann mal wieder die Pausenglocken schellen und die Gymnasiums-Kinder lärmend auf den Hof hinauslaufen werden.
QUELLE: Oberpfalznetz - Von Robert Stammler | 10.09.2007 | Netzcode: 11071907
Photo: Franz von Klimstein
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen